Jenny: Pina Bausch und das Tanztheater

29.03.2016


Pina Bausch im Tanz ist so ähnlich wie Coco Chanel in der Mode. Man kann sie nur lieben! Ich habe selbst viel getanzt und bin mit Ballett aufgewachsen, weshalb ich mir auf keinen Fall die Pina Bausch Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn entgehen lassen konnte. Pina Bausch (* 27. Juli 1940 in Solingen; † 30. Juni 2009 in Wuppertal) war eine der einflussreichsten Choreografinnen unserer Zeit.




Nachdem sie nach ihrem Studium an der Folkwang Universität in Essen und der Julliard School in New York , unter anderem an der Metropolitan Opera New York getanzt hat, wurde sie bereits sehr jung Ballettdirektorin am Wuppertaler Theater. Sie machte aus „Ballett Wuppertal“, „Tanztheater Wuppertal“. In ihren Inszenierungen ging es nicht um perfekt ausgeführtes klassisches Ballett, sondern viel mehr um den Ausdruck von Gefühlen, oft mit vielen Modern Dance Elementen. Sie verband verschiedene Genres mit dem Tanz wie Gesang, Pantomime und Schauspiel. Inszeniert wurde in Collagen und Montagen, da sie den Handlungsstrang in einzelne Szenen auflöste. Viele Fachleute halten erst diese neue Kunstform für den Beginn des Tanztheaters. Oft handelten ihre Collagen von der Beziehung zwischen den Geschlechtern. Pina Bausch’s Inszenierungen waren alles andere als „leichte Kost“. Die Themen waren Tod, Ängste und Sehnsucht und hatten an manchen Stellen eine verstörende, an anderen wiederum eine befreiende Wirkung.




Sie war eine sehr leidenschaftliche Frau, aber medienscheu und wirkte in Interviews fast unsicher. Wenn man sie dann während der Arbeit mit ihren Tänzern beobachtet und ihr beim Tanzen zuschaut sieht man die Leidenschaft und die Durchlässigkeit, die auch ihre Inszenierungen widerspiegeln. Während ich durch die Ausstellungshallen in Bonn schlendere, habe ich das Gefühl in eine eigene Welt einzutauchen. So ähnlich wie wenn man ein Theater oder eine Kunsthochschule betritt und diesen besonderen Geruch einatmet. Die Mischung aus Videoinstallationen, Fotografien und handschriftlichen Aufzeichnungen von Pina Bausch geben einem das Gefühl an einem künstlerisch wertvollem Prozess teilhaben zu dürfen. Meine Haltung und mein Gang richten sich nach wenigen Minuten auf und ich schwebe mehr als dass ich gehe. Die Grazie die einen umgibt steckt an.
  

Leider verstarb Pina Bausch bereits 2009 im Alter von 68 Jahren, dennoch habe ich in der Ausstellung nicht das Gefühl etwas hinterlassenes, sondern etwas sehr lebendiges zu beobachten. Ein Highlight ist auch der nachgebaute Proberaum in dem auf der Bühne eine Leinwand installiert ist auf der eine gefilmte Probe abläuft. Obwohl man dabei oft Closeups sieht, die einen Tänzer beobachten, der gerade hochkonzentriert und erschöpft den Erklärungen seiner Choreografin zuhört, bin ich gefesselt und versuche in diese Gedankenwelt einzutauchen. Auch eine Collage aus Fotos ihrer Tänzer mit denen sie oft Jahrzehnte zusammengearbeitet hat, berührt mich unglaublich. Alle haben ein besonderes Strahlen und man schaut in die Augen von Persönlichkeiten die Pina Bausch und ihre Visionen verstanden haben.



Für mich ist diese Ausstellung ein magischer und unglaublich inspirierender Ort. Am liebsten würde ich die weiten leeren Parkettböden in den Hallen nutzen um zu tanzen oder auf den Knien zu rutschen. Ich glaube diese Ausstellung weckt in jeder Frau den Tagtraum eine Ballerina zu sein und sich wild und frei zu bewegen. Ich fühle mich wie ein Mädchen, dass jetzt unbedingt tanzen muss. Tanz ist so eine ästhetische Kunstform und versprüht aussergewöhnlich viel Energie. In Kombination mit einer Frau die so überaus stark und einflussreich war, sich dabei aber immer ihre Sensibilität und Zerbrechlichkeit bewahren konnte, entsteht ein Erlebnis, welches jegliche Träume und Wünsche gleich wieder etwas erreichbarer erscheinen lässt.



Hier noch ein paar Zitate von Pina Bausch, die nochmals ausdrücken wie bedingungslos sie den Tanz geliebt hat:

„Alles was ich mache, mache ich als Tänzerin, alles, alles.“ 1989

„Eigentlich wollte ich immer nur tanzen. Ich musste tanzen.“ 2007

„Wenn ich choreografiert habe, dann ging es immer nur darum, dass ich in diesen Choreografien etwas tanzen konnte was mir wichtig war.“ 2007

„Diese Rollen waren alle mit meinem Körper geschrieben.“ 2007




Outfit: Minx Jumpsuit, Minx Trenchcoat, Lemonjelly Boots, Marc Jacobs Tasche

Tanzt, ihr Lieben!

Eure Jenny




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