DMD IM INTERVIEW MIT SIMONE MENNE, UNTERNEHMENSLEITUNG BOEHRINGER INGELHEIM

„Jil Sander war für mich ein großes Vorbild als Frau“

- aber Anja Gockel steht
bei ihr auch hoch im Kurs.

Simone Menne wurde 2012 zur Finanzchefin der Deutschen Lufthansa berufen und war damit der erste weibliche Finanzvorstand eines DAX-Konzerns.

Im August 2016 verließ Simone Menne die Lufthansa und wechselte in die Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim. Dort verantwortet sie den Bereich Finanzen.

Boehringer Ingelheim zählt weltweit zu den 20 führenden Pharmaunternehmen. Mit Hauptsitz in Ingelheim, Deutschland, beschäftigt Boehringer Ingelheim weltweit insgesamt rund 47.500 Mitarbeiter. Die Schwerpunkte des 1885 gegründeten Unternehmens in Familienbesitz sind die Forschung, Entwicklung und Produktion neuer Medikamente mit hohem therapeutischem Nutzen für die Humanmedizin sowie die Tiergesundheit. Im Jahr 2015 erwirtschaftete Boehringer Ingelheim Umsatzerlöse von rund 14,8 Mrd. Euro.

Boehringer Ingelheim

DMD: Guten Morgen, liebe Frau Menne. Ich kann Sie ja leider nicht sehen, bin neugierig und interessiere mich dafür, was Sie heute anhaben – vielleicht können Sie mir Ihr heutiges Outfit kurz beschreiben?

Simone Menne: Ok, gerne. Ich trage einen dunkelblauen Blazer ohne Kragen darunter ein dunkelblaues T-Shirt und ein grasgrünes Tuch. Die Farben finden sich wieder im Rock ; der ist quergestreift mit dunkelblau, hellblau, grün und ein paar grauen Streifen. Dazu dann blaugemusterte Strümpfe.

DMD: Und die Schuhe?

Simone Menne: Dunkelblaue Pumps, ganz klassisch.

DMD: Wie würden Sie Ihren Typ beschreiben? Klassisch, weiblich, worauf legen Sie wert?

Simone Menne: Ich würde meinen Typ schon als klassisch beschreiben. Eher klare Linien. Definitiv keine Rüschen, kein Pailletten und keine Röschen irgendwo...

DMD: Kann ich sehr gut nachvollziehen! Als Managerin haben Sie wenig Zeit, um vor dem Kleiderschrank lange nachzudenken. Jede Frau kennt das. Aber manchmal ist man sich nicht ganz sicher, ob man das Richtige aus dem Schrank gezogen hat. Wie machen Sie das denn?

Simone Menne: Ich stelle meine Kleidung nach Farben zusammen. Ich bin oft unterwegs, manchmal mehrere Tage und dann versuche ich die Handtasche abzustimmen auf die Garderobe. Zusammengestellt nach Farben, also entweder Blau, Schwarz oder Braun. Und dann bringe ich mit einem Tuch, der Bluse oder einem T´Shirt durch kräftige Farben ein wenig Pepp rein.

DMD: Alle Bilder, die ich von Ihnen gesehen habe, zeigen eine sympathische und souveräne Frau. Gibt es Kleidungsstücke für Sie, bei denen Sie sagen, die gehören auf gar keinen Fall ins Büro?

Simone Menne: Flip Flops! Ansonsten wüsste ich jetzt aus dem Stand nichts, was gar nicht geht. Kleider, Hosen, Röcke, Hosenanzüge alles ist möglich. Vielleicht kein Overall.

DMD: Noch vor einigen Jahren war die klassische Business-Mode eher steif. Männer dürfen inzwischen auf die Krawatte verzichten, was ist denn bei Frauen erlaubt?

Simone Menne: Als ich 2012 Finanzvorstand wurde, war der Standard wirklich noch das schwarze Kostüm mit engem Rock und Jacke, dazu eine weiße Bluse. Ich glaube, diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen gibt es viele Kleider und viele Damen tragen Hosenanzüge. Ich persönlich trage ungern Hosenanzüge, die passen nicht zu meiner Figur, aber gerne Kleider. Und die versuche ich ein bisschen aufzupeppen, mit gemusterten Strümpfen zum Beispiel, was ja schon auffällig ist, das setzt Akzente, ist absolut erlaubt und einfach auch witzig.

DMD: Macht Ihnen das Spaß, haben Sie Freude daran?

Simone Menne: Ja

DMD: Wie stellen Sie denn Ihre Outfits für die Woche zusammen, überlegen Sie sich am Sonntag, das ist für Montag, das ist für Dienstag, das ist für Mittwoch usw.? Oder wie machen Sie das?

Simone Menne: Also, das mache ich nur so, wenn ich verreise. Wenn der nächste Tag ein wichtiger Tag ist, zum Beispiel wenn ein besonderes Ereignis anliegt, da überlege ich mir die Wirkung meines Outfits vorher und auch am Vorabend. Dann schaue ich schon, wie möchtest Du denn rüberkommen, besonders seriös oder eher auch mal etwas herausfordernd? Oder wenn man Mitarbeiter gegenübertritt, eben nicht furchteinflößend, nicht so klassisch, sondern eher auch ein bisschen lockerer, so dass man da von vornherein Menschen die Angst vor der Hierarchie nimmt.

DMD: Und gibt es auch die Situation, dass Sie morgens alles umschmeißen, was Sie sich abends zurechtgelegt haben und sagen: oh nein, heute ist überhaupt nicht der Tag danach?

Simone Menne: Ja, das gibt es auch. Und es gibt bestimmte Sachen, die ich immer trage, wenn ich nicht so gut drauf bin. Ich habe zum Beispiel ein schwarzes Wollkleid, das ist ein Wohlfühlkleid, eine Art „Rückzugsmodell“, dazu trage ich dann ein schönes Tuch und dann weiß ich, heute habe ich keine Sorgen, dass etwas kneift oder unpassend ist.

DMD: Das kenne ich auch! Wie kaufen Sie denn ein, Frau Menne, kaufen Sie auf Reisen ein, gehen Sie in die Stadt bummeln oder online?

Simone Menne: Ich kaufe viel an Airports, da habe ich Zeit und da kann ich mir tatsächlich auch Zeit lassen und bummeln. Aber ich bestelle auch gerne.

DMD: Lassen Sie sich auch beraten oder machen Sie das ganz allein?

Simone Menne: Das mache ich eher ganz allein. Also, ich hatte einmal eine Beraterin, das war ganz ok, aber das war jetzt nicht so, dass ich ganz neue Erkenntnisse bekommen habe. Ich fand das am Ende eher anstrengend.

DMD: Ja, das kann ich verstehen. Was verbinden Sie denn mit deutschem Modedesign. Haben Sie da eine Vorstellung, ist die Ihnen präsent?

Simone Menne: Da fällt mir sofort die Mode von Jil Sander ein. Die war für mich auch ein Vorbild als Frau. Auch die Mode, die sie gemacht hat fand ich toll. Und schließlich hat sie es geschafft, sich auch nach dem Verkauf der Marke wieder neu einzubringen, das fand ich toll. Eine Zeitlang habe ich auch gerne Strenesse getragen. Und ich finde auch junge Deutsche sehr spannend, auch eine deutsche Modemacherin hier in Mainz.

DMD: Verraten Sie mir den Namen?

Simone Menne: Hm, leider komme ich gerade nicht darauf....

DMD: Anja Gockel?

Simone Menne: Ja, genau - genau! Sie hat sich sogar schon einmal mit uns, also Gesellschaftern und Vertretern des Managements der Firma Boehringer-Ingelheim getroffen. Der Austausch war sehr spannend, denn es handelt sich in beiden Fällen um Familienunternehmen. Sie haben auf vielen Ebenen ähnliche Mechanismen, obwohl das eine groß und das andere klein ist. Ich finde es herausragend, wenn sich jemand traut, seine ganze Leidenschaft in den Beruf und das Unternehmen steckt. Und dieses dann mit allem Risiko, das sich dahinter verbirgt, aufbaut. Auch der Stil gefällt mir. Es ist ein eigener Stil, den sie auf den Markt bringt, das finde ich gut. Vor diesem Mut und dem Talent habe ich Respekt. Wahres Unternehmertum kombiniert mit künstlerischem Händchen, das ist eine tolle Sache.

DMD: Absolut! Und wenn ich Ihnen den Hinweis oder den Tipp geben darf, Anja Gockel finden Sie auch auf der Seite www.deutsche-modedesigner.de, wenn Sie da einmal schauen wollen.

Simone Menne (lacht): Da war ich schon und habe da ein paar schöne Sachen gesehen, nicht nur von Anja Gockel.

DMD: Noch ein Frage dazu, was Sie in Ihrer Freizeit tragen. Sie haben gerade schon gesagt, es gibt Tage, da braucht man ein Wohlfühlkleid. Gibt es denn etwas für Ihre Freizeit, wenn Sie so gar nicht offiziell auftreten müssen?

Simone Menne: Ja, also dann schon eher mal eine Hose. Momentan eine beige Cordhose und Boots und dazu Kaschmirpullover. Dann fühle ich mich am Wochenende rundherum wohl.

DMD: Aber wenn man bei Ihnen klingelt, würden Sie niemals in der Jogginghose öffnen, oder?

Simone Menne: Nein, das würde ich tatsächlich nicht! Wenn ich auf den Markt gehe, trage ich zum Beispiel die Cordhose und Boots, aber ich habe dann auch einen schönen passenden Mantel dazu. Leute im Jogginganzug empfangen, das würde mir nie in den Sinn kommen.

DMD: Schön, das war es schon Frau Menne. Toll, dass es heute Morgen geklappt hat. Ich glaube ich habe jetzt eine Vorstellung von Ihnen und ich glaube Sie sind heute ziemlich schick. Vielen Dank für das Gespräch.

Simone Menne (lacht): Vielen Dank und Alles Gute!

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